Der Sportist
7. Juni 2014

Darum verpasst Marco Reus die WM

Die Syndesmose hält Schien- und Wadenbein oberhalb des Sprunggelenks zusammen, damit die Knöchel beim "Drauftreten" nicht auseinanderweichen.
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Die Verletzungsmisere der deutschen Nationalelf ebbt nicht ab. Zuletzt hat es Marco Reus erwischt. Diagnose: Teilanriß der Syndesmose. Diese Diagnose ist dem klassischen Fußballfan bekannt, was aber genau dahintersteckt, das wissen nur wenige.

Der Syndesmoseriß ist eine häufige Verletzung des oberen Sprunggelenks beim Sport. Insbesondere Fußballer sind überdurchschnittlich oft betroffen.

Was passiert beim Syndesmoseriß und welche Folgen hat er?

Bei einem Riß wird quasi die Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein, die beim Auftreten ein Auseinanderweichen von Innen- und Außenknöchel verhindern soll, aufgespalten. Das Sprunggelenk wird dadurch instabil. Diese Verletzung ist sehr schmerzhaft und macht ein Weiterspielen unmöglich.

Wie wird der Syndesmoseriß festgestellt?

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Findet sich ein ausgeprägter Druckschmerz über der Syndesmose, sollte stets ein Syndesmosenriß in Betracht gezogen werden. In einer Studie (Jones et al., 2006) konnte gezeigt werden, dass bei Syndesmosenverletzungen auch heute noch in vielen Fällen 3 Monate und mehr bis zur definitiven Diagnose vergehen. Klinische Zeichen sind neben lokalem Druckschmerz ein Kompressionstest der Syndesmose (Squeeze-Test), als auch Schmerzen bei der Außenrotation im Sprunggelenk. Der vermehrte Abstand zwischen Schien- und Wadenbein sollte den Verdacht auf eine Syndesmosenverletzung wecken. Allerdings ist die anatomische Bandbreite sehr weit, so dass aufgrund der weitreichenden Konsequenzen eine CT- oder MRT-Untersuchung empfehlenswert ist. Findet man in der MRT einen Riß des vorderen Syndesmosenbandes in Verbindung mit Flüssigkeit um die Membran, so ist von ­einer mechanischen Instabilität auszugehen. Es muss dann eine operative Stabilisierung der Syndesmose vorgenommen werden.

Wie sieht die Therapie aus?

Die technischen Möglichkeiten umfassen die klassische Syndesmosenstellschraube, welche nach 6 Wochen entfernt werden kann, bioresorbierbare Schrauben oder Stabilisierungssysteme auf der Basis von extrem reißfesten Fäden. Allen Therapien gemein ist die Fixierung des Schienbeins an das Wadenbein. Da die Syndesmose eine gewisse Dehnbarkeit aufweisen muss, werden implantierte Schrauben wieder entfernt.

Bei Marco Reus handelt es sich um einen Anriß, so dass man hofft, dass eine OP nicht nötig wird.

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