Wann zahlen die Kassen?
4. Oktober 2013

Sport besser als Medikamente

Sport steigert nicht nur die Lebensqualität, Sport verlängert auch das Leben.

©Warren Goldswain – Fotolia.com

 

 

Die präventive Wirkung von sportlicher Betätigung ist unumstritten. Sport tut gut, ist aber offenbar bei vielen Erkrankungen effektiver als Medikamente. In einer aktuellen Publikation im British Medical Journal geht John Ioannidis, der Leiter des Prevention Research Center der kalifornischen Stanford Universität diesen Schritt weiter. Seine epidemiologische Studie fasst die Ergebnisse aus 16 früheren Analysen zusammen, um die Frage zu beantworten, ob Sport in der Vorbeugung von Krankheiten eine gleich gute oder vielleicht sogar eine noch bessere Wirkung erzielen könnte als Medikamente.

Gegenstand der Untersuchung ist die Prävention bei koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzschwäche und Vorstadien von Diabetes. Bei diesen Erkrankungen ist der Wert der medikamentösen Prophylaxe recht gut untersucht – im Gegensatz zum Nutzen von sportlicher Aktivität. Der Grund liegt auf der Hand. Mit Medikamenten könnten Pharmafirmen gute Geschäfte machen, für Studien zur präventiven Wirkung von Sport finden sich nicht so schnell Sponsoren.

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Das erste bittere Ergebnis der Publikation ist, dass nur 35 von 305 Studien sich mit dem Wert von sportlicher Aktivität befassten und nur 14.716 von insgesamt 339.274 Teilnehmern darin eingeschlossen waren. Immerhin reicht es für den Versuch, den „blinden Fleck“ zur Wirkung von Sport auf die Volkskrankheiten ein wenig aufzuhellen.

Doch die Ergebnisse überzeugen nur auf den ersten Blick. Bei der koronaren Herzkrankheit (wobei die überwiegende Zahl der Teilnehmer bereits einen Herzinfarkt erlitten hatte) wirken neben Cholesterinsenkern, Betablockern, ACE-Hemmern und Thrombozytenhemmern auch sportliche Übungen, sprich Herzsportgruppen lebensverlängernd.

Auch bei der Herzinsuffizienz wird heute zu einer begrenzten sportlichen Aktivität (nach Voruntersuchung und eventuell unter Aufsicht) geraten. Laut Ioannidis erzielen hier wasserausscheidende Medikamente (Diuretika) mit Abstand die beste Wirkung noch vor Betablockern. Sport soll hier ebenfalls eine Wirkung erzielen.

Aus dem Rahmen fallen die Ergebnisse zur Rehabilitation nach Schlaganfall. Hier ermittelt Ioannidis für Sport (sofern er den Patienten noch möglich ist) eine besonders günstige Wirkung, während kaum wirken. Die Berechnungen zum Schlaganfall beruhen allerdings auf einer sehr geringen Fallzahl, so dass die Aussagekraft hier begrenzt ist.

Insgesamt steht die Studie auf recht wackeligen Beinen. Der Versuch, den Sport als wichtige Begleitmaßnahme in den Blickpunkt zu rücken, dürfte jedoch allgemein begrüßt werden, wobei in der Prävention dem Sport eine eingehende ärztliche Untersuchung vorausgehen sollte.

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